Über das Welterbe
Mitten in der beeindruckenden Landschaft des Limfjords liegt ein Gebiet, dessen außergewöhnliche Geschichte in Steilküsten, Gesteinsschichten und Fossilien bewahrt wurde. Um Fur und Mors beherbergt einige der weltweit am besten erhaltenen Zeugnisse des Lebens vor 55 Millionen Jahren.

Mitten in der beeindruckenden Landschaft des Limfjords liegt ein Gebiet, dessen außergewöhnliche Geschichte in Steilküsten, Gesteinsschichten und Fossilien bewahrt wurde. Die Region rund um Fur und Mors beherbergt einige der weltweit am besten erhaltenen Zeugnisse des Lebens vor 55 Millionen Jahren. Aufgrund dieses einzigartigen geologischen Erbes wurde das Gebiet in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
Die einzigartigen Moler-Klippen erzählen die Geschichte von Vulkanausbrüchen, dramatischen Klimaveränderungen und längst vergangenen Lebenswelten. Heute zählt die Region zu den spektakulärsten Natur- und Geologielandschaften Dänemarks.
Ob Sie Ihren Urlaub am Limfjord verbringen, mit der Familie unterwegs sind oder in der Region leben – hier erwarten Sie faszinierende Naturerlebnisse. Erkunden Sie die Steilküsten, entdecken Sie Millionen Jahre alte Fossilien, genießen Sie die eindrucksvolle Landschaft und erfahren Sie, warum dieses besondere Stück Dänemark weltweit Aufmerksamkeit erregt.
Hier können Sie in die Geschichte des Welterbes eintauchen und Inspiration für Ihren nächsten Besuch finden.
Warum ist dieses Gebiet einzigartig?
Hanklit und Knudeklint gehören zu den bedeutendsten geologischen Fundstätten Europas und zeichnen sich durch ihren außergewöhnlichen Reichtum an hervorragend erhaltenen Fossilien aus. In den Moler-Ablagerungen wurden mehr als 700 Arten prähistorischer Organismen entdeckt, darunter Fische, Vögel, Insekten und Pflanzen.
Viele dieser Arten entstanden und lebten kurz nach dem fünften und bislang letzten Massenaussterben der Erdgeschichte – jenem Ereignis, das unter anderem die Dinosaurier auslöschte. Hanklit und Knudeklint eröffnen daher einen einzigartigen Blick auf einen entscheidenden Wendepunkt in der Entwicklung des Lebens.
Die Steilküsten bilden ein außergewöhnliches Naturarchiv, das einzigartige Einblicke in den Neubeginn des Lebens nach dem fünften Massenaussterben ermöglicht. Sie liefern wertvolle Erkenntnisse über eine entscheidende Phase der Evolution und dokumentieren die direkten Vorfahren vieler heute lebender Pflanzen- und Tierarten, insbesondere der Fische.
Darüber hinaus beherbergt die Westliche Limfjordregion außergewöhnlich gut erhaltene Fossilien in Gesteinsschichten, die während der stärksten globalen Erwärmungsphase seit dem Aussterben der Dinosaurier entstanden sind.
Wissenschaftler bezeichnen diese Phase als das Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum (PETM). Diese Epoche spielt eine Schlüsselrolle für das Verständnis der Auswirkungen rascher Klimaveränderungen auf Organismen und Ökosysteme.
Das PETM gilt heute als eines der wichtigsten natürlichen Vergleichsmodelle, um den aktuellen und zukünftigen Klimawandel auf der Erde besser zu verstehen.


Die UNESCO-Welterbe-Nominierung
Im Jahr 2016 kam eine Gruppe führender Wissenschaftler einstimmig zu dem Schluss, dass die außergewöhnlich gut erhaltenen Fischfossilien im Moler von Fur und Mors die beste Grundlage für eine Bewerbung um den UNESCO-Welterbestatus darstellen.
Die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste ist eine besondere Auszeichnung, die weltweit nur wenigen Orten zuteilwird. Eine Stätte kann nur dann als UNESCO-Welterbe anerkannt werden, wenn sie einen außergewöhnlichen universellen Wert (Outstanding Universal Value) besitzt – also eine einzigartige Bedeutung für heutige und zukünftige Generationen der gesamten Menschheit, weit über nationale Grenzen hinaus.
Was den westlichen Limfjord mit Hanklit und Knudeklint als geologische Fundstätte so außergewöhnlich macht, ist der hervorragende Erhaltungszustand der Fossilien. Viele sind nahezu vollständig erhalten, einige sogar dreidimensional. Möglich wurde dies durch sogenannte Kalkkonkretionen, die in Dänemark auch als Cementsten bezeichnet werden.
Wie ein Sarg oder Sarkophag schützten diese Gesteinskörper die Fossilien über Millionen von Jahren vor dem Zusammenpressen.
Kalkkonkretionen – oder Cementsteine – treten als einzelne Knollen mit einem Durchmesser von über einem Meter oder als zusammenhängende Schichten auf. Sie entstanden, als kalkhaltige Flüssigkeiten Hohlräume und Poren im Moler unter dem damaligen Meeresboden ausfüllten und dort aushärteten. Dadurch entstanden harte Gesteinskörper, die Pflanzen und Tiere in einer Detailtreue konservierten, die weltweit ihresgleichen sucht.
Der außergewöhnliche Erhaltungszustand ermöglichte sogar den Nachweis ursprünglicher Biomoleküle in einigen Fossilien. So wurden beispielsweise Molekülreste von Hämoglobin aus roten Blutkörperchen in der kohlenstoffhaltigen Schicht entdeckt, die die ursprüngliche Haut einer Meeresschildkröte bewahrt hat. Insgesamt liefern diese Funde ein einzigartig detailliertes Bild der faszinierenden Tierwelt, die vor rund 55 Millionen Jahren existierte.
Die Fossilien gelten als einige der besterhaltenen der Welt und dokumentieren zugleich die älteste artenreiche Fischfauna nach dem Massenaussterben, bei dem unter anderem die Dinosaurier verschwanden.
Die Molerklippen auf Fur – insbesondere Knudeklint – sind außerdem der einzige Ort weltweit, an dem sich nachvollziehen lässt, wie sich der globale Klimawandel vor 56 Millionen Jahren auf die Fischfauna ausgewirkt hat.
Im Jahr 2024 wurde die UNESCO-Welterbe-Bewerbung offiziell an den dänischen Kulturminister Jakob Engel-Schmidt übergeben. Sie umfasst ein 274 Seiten starkes Hauptdokument sowie einen 257 Seiten umfassenden Anhang mit ergänzender Dokumentation. Überreicht wurde die Bewerbung von einer zehnköpfigen Delegation aus den Kommunen Skive und Mors.
Ende Juli 2026 wurde der westliche Limfjord mit den Fundstätten Hanklit und Knudeklint unter Kriterium (viii) in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Ausschlaggebend war, dass das Gebiet „herausragende Beispiele bedeutender Abschnitte der Erdgeschichte und der Entwicklung des Lebens“ bewahrt.
Fossilien und Geschichte
Die Steilküsten von Hanklit und Knudeklint beherbergen eine außergewöhnlich große Anzahl hervorragend erhaltener Fossilien aus der prähistorischen Tier- und Pflanzenwelt. Zu den hier gefundenen Fossilien gehören:
- Meereswirbeltiere (Fische, Meeresschildkröten usw.)
- Landwirbeltiere und wirbellose Tiere (Vögel, Insekten usw.)
- Meeresalgen
- Landpflanzen (versteinerte Baumstämme, Äste, Blätter, Sporen und Pollen usw.)
- Marine Wirbellose (Krabben, Seesterne usw.)
Der westliche Limfjord ist seit Langem für seine Fossilien bekannt. Wie lange genau, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, doch mindestens seit 1763, als die erste einfache Zeichnung eines fossilen Fisches von der Insel Fur angefertigt wurde.
Weitere hundert Jahre vergingen, bevor die ersten wissenschaftlichen Beschreibungen der Fossilien veröffentlicht wurden. Die ersten Insekten aus den Moler-Ablagerungen wurden 1922 wissenschaftlich beschrieben. Der erste fossile Fisch folgte erst 1941 – fast 200 Jahre nach der ersten Zeichnung.
Seitdem haben die eozänen Ablagerungen und Fossilien des westlichen Limfjords eine immer größere Bedeutung für die internationale Forschung erlangt, insbesondere für die Untersuchung fossiler Fische, Vögel und Insekten.
Die internationale wissenschaftliche Bedeutung von Hanklit und Knudeklint nimmt bis heute stetig zu. Ausschlaggebend dafür sind sowohl die große Fossilvielfalt als auch ihr außergewöhnlicher Erhaltungszustand. Darüber hinaus dokumentieren die Steilküsten die frühe Phase nach dem Aussterben der Dinosaurier – eine Zeit, in der sich die Grundlagen der heutigen Tier- und Pflanzenwelt entwickelten.
Fossilien von besonderem nationalem Wert stehen nach dänischem Recht unter Schutz und werden für wissenschaftliche Untersuchungen sowie Museumssammlungen bewahrt. Besonders bedeutende Fossilien, die als Danekræ („national bedeutsame Fossilien“) eingestuft werden, sind Eigentum des dänischen Staates. Wer nach 1989 ein solches Fossil findet oder in Besitz nimmt, ist gesetzlich verpflichtet, es unverzüglich an das Staatliche Naturhistorische Museum in Kopenhagen oder an ein staatlich anerkanntes regionales naturhistorisches Museum zu übergeben – in diesem Gebiet in der Regel Museum Mors oder Museum Salling.
Forscher, Hobbygeologen und Besucher können in mehreren ehemaligen Molergruben auf Fur und Mors Fossilien sammeln. Diese Fundstellen unterliegen nicht denselben Schutzbestimmungen wie die Küstenabschnitte und die für das UNESCO-Welterbe nominierten Gebiete.
Herausragende Fossilien aus den Moler-Ablagerungen werden heute in den Sammlungen von Museum Mors, Museum Salling sowie dem Staatlichen Naturhistorischen Museum in Kopenhagen aufbewahrt.


Wissenswertes über den westlichen Limfjord (Hanklit und Knudeklint)
- Die Steilküsten enthalten rund 200 dunkle Ascheschichten, die von urzeitlichen Vulkanausbrüchen stammen. Diese Schichten ermöglichen eine präzise Datierung sowohl der Ablagerungen als auch der Fossilien. Der Moler (Diatomeenerde) zwischen den Ascheschichten ist hell gefärbt.
- Wissenschaftler gehen davon aus, dass Kieselalgen (Diatomeen) bereits im Jura vor mindestens 175 Millionen Jahren entstanden sind. Ihre Schalen bestehen aus Kieselsäure, einem Material, das Glas ähnelt. Deshalb werden sie manchmal scherzhaft als „Algen im Glashaus“ bezeichnet. Diatomeen kommen auch heute noch weltweit in Meeren und Seen vor.
- Die meisten Diatomeen sind mikroskopisch klein – kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haares.
- Moler besteht zu 45–65 % aus fossilen Kieselalgen. Der Rest setzt sich aus Tonmineralen und geringen Mengen vulkanischer Asche zusammen.
- Die verschiedenen Ascheschichten lassen sich von Forschenden eindeutig unterscheiden. Teilweise kann sogar der jeweilige Vulkanausbruch bestimmt werden. Ascheschicht -17 stammt vermutlich vom Gardiner-Vulkan in Ostgrönland, Ascheschicht -33 von der Insel Lundy vor der Küste Cornwalls in England.
- An diesem Fundort wurden mehr fossile Schmetterlinge entdeckt als irgendwo sonst auf der Welt, darunter der älteste bekannte Tagfalter, etwa 55 Millionen Jahre alt.
- Eine fossile Heuschrecke war so außergewöhnlich gut erhalten, dass Fachleute ihren 55 Millionen Jahre alten Gesang rekonstruieren konnten.
- Manche Fossilien sind so perfekt erhalten, dass Eier im Hinterleib von Insekten und sogar die Facettenaugen einer Schnake sichtbar sind.
- Während des dramatischen Klimawandels an der Grenze zwischen Paläozän und Eozän, vor rund 56 Millionen Jahren, stieg die Meerestemperatur im Gebiet des heutigen Mors und Fur um 7 bis 10 °C. Diese Warmzeit dauerte etwa 170.000 Jahre.
- Tasbacka danica, liebevoll „Luffe“ genannt, ist die am besten erhaltene fossile Meeresschildkröten-Jungtier der Welt.
- Die drei größten Fossilien Dänemarks sind versteinerte Bäume, die alle auf Mors gefunden wurden. Sie sind bis zu 9,5 Meter lang und erreichen einen Durchmesser von bis zu 80 Zentimetern.
- Die letzten beiden Eisvorstöße der jüngsten Eiszeit vor 30.000 bis 20.000 Jahren formten die heutige Landschaft. Die Gletscher reichten bis Bovbjerg bei Lemvig, bevor sie zum Stillstand kamen.
- Vor etwa 20.000 Jahren zog sich das Eis zurück. Deshalb finden sich hier heute unter anderem norwegische Rhombenporphyre, die von den Gletschern aus der Region um Oslo transportiert wurden. Dieses Lavagestein entstand ursprünglich vor rund 300 Millionen Jahren.
- Fossilien können an fast allen Steilküstenstränden sowie in Kiesgruben, Kalkgruben, Ton- und Molergruben gefunden werden – auch in einigen noch aktiven Abbaustellen. Fragen Sie stets den Eigentümer um Erlaubnis. Oft ist Schutzausrüstung wie Helm, Schutzbrille, festes Schuhwerk und Warnweste vorgeschrieben. Das Betreten erfolgt grundsätzlich auf eigene Gefahr.
Wissenswertes über Moler (ausgesprochen: Mo-ler)
- Moler ist ein einzigartiges dänisches Sedimentgestein mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Es wird unter anderem zur Herstellung von wärmeisolierenden Steinen für Öfen und Schornsteine sowie als Filtermaterial beim Bierbrauen verwendet.
- Der hohe Gehalt an fossilen Kieselalgen macht Moler besonders leicht, porös und wärmeisolierend.
- Dank seiner hohen Saugfähigkeit wird Moler als Katzenstreu und zum Aufsaugen von Flüssigkeiten, beispielsweise Öl, eingesetzt.
- Darüber hinaus findet Moler Verwendung bei der Herstellung von Kunststoffen und wurde früher auch zur Produktion von Dynamit genutzt.



